Winterschnitt bei Obsthochstämmen

Winterschnitt bei Obstbaumhochstämmen

Obstbaum vor dem Schnitt; mit überlangen Trieben an der Seite und im oberen Bereich sowie Wasserschossen.
Obstbaum vor dem Schnitt; mit überlangen Trieben an der Seite und im oberen Bereich sowie Wasserschossen.

Vor dem Austrieb der Bäume im Frühjahr ist ein guter Zeitpunkt, um Obstbaumhochstämme wie Äpfel, Birnen, Zwetschgen auf unseren Streuobstwiesen zu schneiden.

 

Dabei gilt es, ein paar grundlegende Dinge zu beachten, damit auch ältere Bäume vital und ertragreich bleiben.

Selten oder nie gepflegte Bäume neigen dazu, extrem lange Triebe auszubilden. Dadurch wandert die Ertragszone im Laufe der Zeit immer weiter nach außen und nach oben. Die Triebe neigen außerdem dazu, ab einer gewissen Länge abzukippen und zu brechen.

 

Sollte es zum Abbrechen größerer Äste kommen – beispielsweise in Folge von übermäßigem Fruchtbehang an langen Trieben – besteht die Gefahr, dass der Baum nachhaltig geschädigt wird.

An der Bruchstelle können Pilze und Bakterien in den Baum eindringen und dazu führen, dass dieser eingeht.

 

Um das zu verhindern, ist ein regelmäßiger Schnitt der Bäume nötig.

Gepflegte und geschnittene Bäume liefern qualitativ hochwertiges Obst, da sichergestellt wird, dass alle Baumpartien optimal belichtet und belüftet werden.

Steil stehende Triebe und Wasserschosse werden entfernt; abkippende Seitenäste werden auf günstig stehende, nach oben weisende Triebe zurückgeschnitten.
Steil stehende Triebe und Wasserschosse werden entfernt; abkippende Seitenäste werden auf günstig stehende, nach oben weisende Triebe zurückgeschnitten.

Als sehr gute Technik hat sich dabei der Oeschbergschnitt erwiesen.

Eine in der Schweiz entwickelte Erziehungsmethode für Obstbäume, die in den 1950er Jahren von Helmut Palmer weiterentwickelt und nach Deutschland gebracht wurde.

 

Ziel ist es eine gute Statik des Baums zu erhalten und einen hohen Ertrag qualitativ hochwertiger Früchte zu erreichen. Dazu ist es erforderlich, dass alle Baumpartien bestens belichtet und belüftet werden. Feuchtigkeit kann zügig abtrocknen und die Früchte faulen nicht bereits am Baum. Eine gute Belichtung führt zu einem höheren Zuckergehalt in den Früchten und damit zu einem besseren Geschmack.

 

Grundsätzlich wird von oben nach unten gearbeitet. Dadurch wird sichergestellt, dass herabfallende Äste im unteren Bereich keine bereits geschnittenen Baumpartien beschädigen.

Es werden in einem angemessenen Maß, die Wasserschosse entfernt.

Gleiches gilt für steil stehende, mehrjährige Triebe. Diese drohen abzukippen und zu brechen. Daher müssen sie entfernt werden.

Lange und abkippende Seitentriebe wurden auf kürzere, günstig stehende Triebe zurückgeschnitten.
Lange und abkippende Seitentriebe wurden auf kürzere, günstig stehende Triebe zurückgeschnitten.

Lange seitliche Triebe werden auf günstig stehende, nach oben weisende Triebe zurückgeschnitten.

Dies begünstig die Statik des Baums und sorgt dafür, dass der Baum auch bei starkem Fruchtbehang ohne zusätzliche Abstützungen stabil bleibt.

Bei übereinander stehenden Ästen sollte der ungünstigere und in der Regel schwächere Trieb entfernt werden, um auch hier eine optimale Belichtung zu erreichen.

Obstbaum nach dem Schnitt.
Obstbaum nach dem Schnitt.

Nach den durchgeführten Schnittmaßnahmen zeigt sich die Struktur des Obstbaums.

Es ist erkennbar, dass alle Bereiche der Krone viel Licht erhalten und gut durchlüftet sind. Es sind keine abkippenden Seitenäste mehr vorhanden. Wasserschosse wurden entfernt.

 

Im Winter oder Frühjahr stark geschnittene Bäume neigen dazu, im Sommer stärker auszutreiben.

Hier ist es sinnvoll im Sommer nach dem Abschluss des Triebwachstums regulierend einzugreifen und einen Sommerschnitt durchzuführen.

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Text und Fotos: Albert Schlipf (1. Vorstand) & Oliver Hartstang (2. Vorstand)


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