Projekt Reallabor – Für die Zukunft unserer Streuobstwiesen

Liebe Mitglieder im Obst- und Gartenbauverein,

 

unser Streuobstbau steht vor großen Herausforderungen.

 

In Zusammenarbeit mit Christoph Schulz vom Pomologen-Verein e.V. planen wir deshalb die Anlage einer richtungsweisenden Versuchsfläche auf einer ehemaligen Weinbaufläche am Harzberg.

 

Der Harzberg als „Reallabor“: Extremstandort Weinberg

Ein aufgelassener Weinberg stellt einen Extremstandort dar, der uns heute wertvolle Erkenntnisse für die Zukunft liefert.

 

Die Bedingungen dort sind eine Verschärfung dessen, was wir zunehmend auf konventionellen Streuobstwiesen schon heute erleben:

  • Thermische Belastung: Durch die exponierte Lage und die meist flachgründigen Böden entstehen extrem hohe Bodentemperaturen. Die Rückstrahlung der Wärme wirkt wie ein Brennglas auf Stamm und Krone.
  • Wasserstress auf kargem Grund: Weinbergsböden sind oft durch historische Nutzung verdichtet oder weisen eine geringe Humusschicht auf. Die hohe Verdunstungsrate führt zu physiologischem Trockenstress, der das Immunsystem der Bäume schwächt.
  • Erosionsgefahr: Die Hanglage erfordert innovative Pflanzkonzepte, um das wenige Niederschlagswasser im Boden zu halten, statt es oberflächlich abfließen zu lassen.

 

Untersuchungen und Versuche: Strategien gegen den Klimawandel

 

Wir wollen nicht nur beobachten, sondern Lösungen testen. Unsere Schwerpunkte liegen unter anderem auf:

  • Tresteraussaat und Direktveredelung: Statt Baumschulware zu pflanzen, säen wir Obstsamen (Trester) direkt vor Ort aus. Die so entstehenden „Sämlinge“ entwickeln von Beginn an eine Pfahlwurzel, die deutlich tiefer in die wasserführenden Schichten vordringt als die Wurzeln verpflanzter Bäume. Die Veredelung mit der Edelsorte erfolgt erst später direkt am Standort.
  • Aktivierung des Bodenlebens durch „Affolter“: Wir legen sogenannte „Affolter" (optimierte Pflanzhügel bzw. Depotpflanzungen) an. Durch gezieltes Einbringen von organischem Material und Mykorrhiza-Pilzen aktivieren wir das Bodenleben, verbessern die Speicherkapazität für Wasser und sorgen für eine natürliche Nährstoffversorgung unter Stressbedingungen.
  • Sorten- und Artenvielfalt im Test: Neben trockenheitsresistenten Unterlagen untersuchen wir die Eignung von Obstarten, die traditionell eher im mediterranen Raum beheimatet sind (z. B. Speierling, Elsbeere oder wärmeliebende Wildobst-Hybride), sowie alte Lokalsorten, die eine hohe Resilienz gegenüber Hitzebrand aufweisen.

 

Werden Sie Teil der Projektgruppe!

 

Für die Umsetzung dieser spannenden Versuche suchen wir engagierte Mitglieder, die Lust haben, bei der Planung, Durchführung und langfristigen Betreuung der Fläche mitzuhelfen.

Es ist eine einmalige Chance, praktisches Fachwissen über den Obstbau der Zukunft zu erwerben.

 

Interessierte melden sich bitte bei:

 

Wir freuen uns darauf, gemeinsam die Weichen für den Erhalt unserer Kulturlandschaft zu stellen!

 

Mit freundlichen Grüßen

Oliver Hartstang

1. Vorstand

 


Weiterführende Informationen: